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Verantwortungseigentum – Sinn vor Gewinn

Verantwortungseigentum ist eine spannende Idee und meint, dass der Sinn eines Unternehmens – der „Purpose“ – wichtiger ist als kurzfristige Profite. Sinnmaximierung statt Gewinnmaximierung also. Gewinne werden als Mittel zum Zweck und nicht als Selbstzweck verstanden. Und ebenso interessant: das Eigentum und die Kontrollrechte an einem Unternehmen bleiben bei den aktiven Unternehmer*innen und Mitarbeitenden. Das heißt, dass Unternehmensanteile nicht „einfach so“ schnell weiterverkauft werden können, und dass diejenigen über das Unternehmen bestimmen, die in ihm arbeiten, statt jene, die vor allem Geld zum Investieren übrighaben. Warum ist das eine gute Idee?


„Unternehmenseigentum als Ware statt als Amt zu verstehen, heißt daher: Nicht die Fähigsten und direkt im Unternehmen involvierten werden Eigentümer, sondern anonyme Fonds […]. Und – was die größten Probleme verursacht – verstehen das Eigentum nicht als Aufgabe, sondern als Anlagegut für die Erzielung von Gewinnen. Wie erginge es Unternehmen, wenn diese nicht verkauft, sondern immer an fähige und werteverwandte Menschen weitergegeben würden? Wenn Eigentum als Aufgabe und Amt verstanden und rechtlich so ausgestaltet würde und nicht als Geldanlage?“ (Purpose Stiftung 2019, Verantwortungseigentum. Unternehmenseigentum für das 21. Jahrhundert, S. 6)


Spannend: Langfristigkeit und Fähigkeiten anstelle kurzfristiger Profite und vererbter Privilegien. Da steckt doch schon das alte sozialdemokratische Versprechen der Chancengleichheit drin, oder?


Ganz so neu ist sie gar nicht, die Idee von Verantwortungseigentum und sinnorientierter Wirtschaft. Carl Zeiss und andere haben es vorgemacht, und heute gründen immer mehr Menschen Purpose-Unternehmen. Auch für bestehende Familienunternehmen ist das eine Überlegung wert: hunderttausende von ihnen suchen eine Nachfolgelösung.



Wird eine neue Rechtsform alle Probleme lösen? Vermutlich nicht. Aber könnte eine staatliche Gründungsförderung, wie auch die unsrige hier in Hamburg, nicht stärker in Unternehmen investieren, die dem Prinzip des Verantwortungseigentums folgen? Ich denke schon. Ich werde mich jedenfalls dafür einsetzen, denn um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen, sollten wir Wirtschaft und Unternehmen als zentrale Partner und auch Hebel sehen, mit denen Veränderung stattfinden kann.

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