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  • sozilena

Antreten statt Austreten

Politik machen - ich?


Mein Freundes- und Bekanntenkreis ist überwiegend im linken-liberalen-grünen Spektrum zu verorten. Die meisten von ihnen haben irgendwann mal die SPD gewählt, ob auf Europa-, Bundes- oder Landesebene, und finden die Sozialdemokratie super. Aaaaber: irgendwie tun sie das nicht mehr, und leider kann ich das trotz all der positiven Dinge, die die SPD für die Menschen bewegt hat, nur zu gut verstehen. Gefühlt unendliche Jahre der GroKo im Bund haben ebenso ihren Tribut gezollt wie die wachsende Ungleichheit oder das Fehlen von glaubwürdigen Antworten auf Klimakrise (Klimapaket, aaaaargh) und Digitalisierung.


Raus aus der Schmollecke.



Und wenn wir mal ehrlich sind, sind unsere Parteistrukturen überwiegend nicht dazu geeignet, dies auszugleichen. Ich bin oft an parteiinternen Mechanismen verzweifelt, und hätte mir ebenso oft eine andere SPD-Politik gewünscht, die näher an unserem Sozi-Kern ist. Als dann im Bund der "Migrationspakt" beschlossen wurde, dachte ich sogar an einen Austritt - nach fast 15 Jahren mehr oder weniger aktiver Mitgliedschaft ein großes Ding. Aber wer macht dann eigentlich Politik für mich? Die Politik, die ich mir wünsche?


Es ist halt leider so, dass die Demokratie kein Lieferservice ist. Und dass Politik anstrengend, nervenaufreibend, langwierig und oft auch nicht erfolgreich ist. Aber sie macht sich nicht von allein. Und wir stehen gerade vor so großen Herausforderungen - mal ganz abgesehen davon, dass die Rechtsextremen auch immer stärker in die Parlamente drängen - dass wir eigentlich jetzt, genau jetzt, alle ran müssen. Ich war gerade auf einer spannenden Zukunftskonferenz zu Nachhaltigkeitsthemen, in der jemand aus dem Publikum das Podium fragte, welche Partei man denn heute überhaupt noch wählen könne. Es wird nicht die oder den eine*n Heilsbringer*in geben, die oder der genau umsetzt und vorantreibt, wovon man immer schon politisch geträumt hat. Das heißt: nervt dich was? Tritt an! Hast du eine politische Lösung für ein drängendes Alltagsproblem parat? Tritt an! Sollte die SPD ganz anders sein, als sie sich gerade darstellt? Tritt an (und ein ;-))! Dass wir dafür noch viel in Sachen Vereinbarkeit von Leben - Arbeit - Familie - Ehrenamt - Politik - etc. tun müssen, ist klar und ein zentrales Anliegen von mir. Ich will, dass sich auch diejenigen politisch einbringen können, die Angehörige pflegen, ein Baby zuhause haben oder beruflich sehr eingespannt sind. Aber wer kann, der muss auch, gerade jetzt. Das kostet Zeit, Nerven, Mut und Überwindung. Doch ich bin der Überzeugung, dass wir immer noch etwas bewegen und das Ruder herumreißen können, gemeinsam. Und deshalb trete ich an.

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