• sozilena

5 Gründe, sich in einer Partei zu engagieren

Zuerst fallen mir eigentlich zehn Gründe ein, es nicht zu tun. Und ich muss es wissen – ich habe mich fast die Hälfte meiner 31 Jahre mehr oder weniger aktiv in der SPD engagiert (I know, GroKo sucks…). Bis Ergebnisse von politischen Initiativen sichtbar werden, vergeht meist eine Ewigkeit. Manche Parteiveranstaltungen erinnern eher an Stammtische. Die Digitalisierung ist bei den meisten Parteien noch immer nicht so richtig angekommen. Und wenn du beruflich sehr eingespannt bist, mit Nebenjobs dein Studium finanzierst, Angehörige pflegst oder ein Baby zuhause hast, passen Politik und Leben schnell nicht mehr zusammen. Trotzdem gibt es mindestens die folgenden fünf guten Gründe, sich in Parteien zu engagieren:


1. Politik macht sich nicht von allein!

Das ist halt leider wahr. Politische Bewegungen wie Fridays for Future und die Zivilgesellschaft insgesamt sind super wichtig und auch politisch wirksam. Aber: am Ende sind es die politischen Parteien, die ihre Forderungen in Gesetze gießen – oder eben nicht. Und solange in den einzelnen Entscheidungsgremien in Parteien nicht ordentlich Staub aufgewirbelt wird, z.B. durch neue Forderungen und Ideen von Neumitgliedern, kommt so etwas wie das Klimapaket der Bundesregierung heraus.


2. Mach‘ dir die Welt, wie sie dir gefällt!

Politische Entscheidungen ärgern dich, ob in deiner Nachbarschaft, deiner Stadt oder auf Bundesebene? Du findest, dass alles ganz anders – sozial gerechter, grüner, freiheitlicher, innovativer – sein müsste? Tja, du kannst einiges dazu beitragen. Vielleicht erlangt dein erster politischer Antrag nicht gleich die Mehrheit auf einem Parteitag, oder am Ende gewinnt bei einer wichtigen Abstimmung doch erst einmal wieder das Partei-Establishment. Aber: je mehr Veränderungswillige die Parteistrukturen hinterfragen und neue Inhalte oder Beteiligungsformate pushen, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Welt ein Stückchen mehr so wird, wie sie dir gefällt.

3. Überlasse nicht den Falschen die Zukunft!

Was soll ich sagen: in Deutschland sitzen wieder Rechtsextreme und Faschist*innen in den Parlamenten, die super gut darin sind, ihre Anhänger*innen zu mobilisieren. Und die übrigen Parteien schwächeln. Gefährlich, inakzeptabel – und vermeidbar. Keine Partei wird zu hundert Prozent zu dir passen. Such‘ dir die mit der größten Schnittmenge, und mach einfach (außer, du sympathisierst mit der AFD, dann lass es bitte).


Landesvertreter*innenversammlung zur Wahl der Bürgerschaftskandidierenden

4. Raus aus deiner Bubble!

Eine gute Freundin sagte mir gerade, dass ihr aufgefallen wäre, wie sie sich immer wieder mit Gleichgesinnten im Bekanntenkreis über die Klimakrise und rechte Strukturen in Deutschland aufrege. Das war es dann meist: gemeinsam wütend werden und dann ne faire Limo trinken. Besser: nimm‘ an Protesten und Demos teil. Noch besser: protestiere, demonstriere, und trag‘ diese politische Energie auch in die Parteien. Je privilegierter du bist, desto eher bist du in der Pflicht, deine Bubble zu verlassen. Und in der Parteiarbeit triffst du auf Leute, mit denen du sonst vielleicht nicht so viel zu tun hättest. Ich habe so z.B. eine dritte Oma gefunden, und damit auch Zugang zu einer beeindruckend aktiven Rentnergang, mit der ich in der Elternzeit die Spaziergehrouten Hamburgs unsicher gemacht habe.

5. Es ist schön (manchmal)!

Okay, Plakate kleben und sich an Infoständen anpöbeln lassen ist nicht immer besonders spaßig. Aber die Weihnachtsfeiern, Kinderfeste für den Stadtteil und ausgefallene Wahlkampfaktionen sind es. Oder das gemeinsame Zerpflücken der Wahlprogramme des politischen Gegners. Und dann gibt es noch ernste, lange Gespräche mit anderen Mitgliedern. Oder die Momente, in denen dein Blick über alle die schweift, die mal wieder einen Abend auf einem Parteitag verbringen, um über Radwege, den Kapitalismus, Bildungsreformen oder die Auswirkungen der Digitalisierung zu streiten. Ehrenamtlich, aus Überzeugung, aus Pflichtbewusstsein. Obwohl auch sie so vieles nervt am Parteileben, sie müde vom Schichtdienst sind oder eh schon ein schlechtes Gewissen wegen der Kiddies zuhause haben. Das finde ich unfassbar schön und wichtig.

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